Montag, 13. April 2015

Zuhören

Wenn man nichts zu sagen hat, einfach mal die Fresse halten . Dieses Programm-Motto von Komedian Dieter Nuhr war in meinem letzten Schuljahr eine Art running gag in meiner Klasse. Allerdings auch manchmal durchaus ernst ausgesprochen ;-)
 
Manchmal hat man schon etwas zu sagen, vergisst aber darüber das Zuhören.
Eine Übung in der Mediation ist, seinen Gegenüber ausreden zu lassen. Ganz. Ohne Unterbrechung. Solange er will. Ohne "Aber..."dazwischen zu werfen. Das ist schwerer, als man denkt.
Bei den Indianern durfte in der Ratsversammlung derjenige reden, der den "talking stick" in der Hand hielt. Diese klare Regel lässt sich im Alltag schwer umsetzen. Trotzdem- wenn wir mit einiger Disziplin einfach mal die Klappe halten, obwohl es uns auf der Zunge brennt, lernen wir viel mehr über unseren Gegenüber, als wir es uns vorstellen können.
 
Ähnlich schwierig ist es,bei all den Komplexen und negative Selbstbildern, die heute leider vorherrschen, sich Gutes sagen zu lassen. Es gibt einen afrikanischen Stamm, da wird jemand, der einen Fehltritt begangen hat, in die Mitte des ganzen Clans gestellt, und ihm wird von allen Seiten all das aufgezählt, was alles wunderbar an ihm ist. Damit will man sicherstellen, dass derjenige wieder in seine Mitte kommt.
 
Bei dem ständigen Austausch, der heute herrscht, wo man selbst auf dem einsamsten Berggipfel Handyempfang hat und aufgeregt alles mitteilt, ganz es ganz heilsam sein, wenn man garnicht die Gelegenheit hat.
Wunderbar, wenn man völlig im Spiel versunkene Kinder "belauscht". So hört sich Unschuld an! Und wie schön, wenn man einfach so teilhaben kann an den Konversationen von Freunden, einfach ohne sich einzumischen.
 
Es ist schön, sich mitzuteilen. Und schön, einfach mal garnichts zu sagen.
 
JE STILLER DU BIST, DESTO MEHR KANNST DU HÖREN. (aus China)
 

Samstag, 11. April 2015

Die Einsamkeit

Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;
von Ebenen, die fern sind und entlegen,
geht sie zum Himmel, der sie immer hat.
Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.

Regnet hernieder in den Zwitterstunden,
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen
und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig von einander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen:

dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen...
                                          RILKE



Wenn wir, das Leben wie einen Jahrmarkt vor unserer Haustür, Zeit für uns brauchen, erscheint die Einsamkeit ein heilendes Elexier. Ein Born der Stille, in der wir wieder zu uns finden.
Wie erleichternd kann es sein, einmal nicht erreichbar zu sein. Nicht zur Verfügung zu stehen.

Doch manchmal ist es auch so, dass die Einsamkeit vor uns steht, unerwartet groß und mächtig wie eine Gewitterwand. Ich habe in meinem alten Tagebuch
geblättert. Die verbliebenen Seiten, welche ich nicht vor einigen Jahren herausgerissen habe, weil sie einfach zu peinlich waren. Beide Seiten der Einsamkeit tauchten dort immer wieder auf:
der Rückzug aus dem Gedränge. 
die scheinbare Isolation in der Menge.

In einem meiner alten Gedichte fand ich die Zeile ...allein sein heißt nicht"einsam sein"
und dachte im Umkehrschluss hätte ich noch hinzufügen müssen, dass man auch einsam sein kann wenn man nicht allein ist. Aber das ist dann vielleicht Stoff für ein anderes Gedicht.

Um die Einsamkeit ist’s eine schöne Sache, wenn man mit sich selbst in Frieden lebt und was Bestimmtes zu tun hat. (Goethe)


Ich bewundere von jeher Menschen, die sich mit ihrer Meinung der Masse entgegen stellen.Und probierte es mit meinem eigenen Leben genauso. Gleichschritt und Uniformismus waren mir von jeher zuwider. Wo es mir möglich war, war ich gern "anders als die Anderen". Obwohl das oft den Preis der Ausgrenzung beinhaltete. Diese Diskrepanz aus "anders sein wollen" und "dabei sein wollen"(ergo:beliebt=geliebt...dachte ich) war der große Kummer vieler Jahre.
Mittlerweile komme ich ganz gut klar damit, mit einer Meinung allein zu sein (naja, zumindest meistens). Und manchmal bin ich sogar stolz darauf.

Doch auch die andere Einsamkeit klopft manchmal an. Grau und mächtig wie eine Gewitterwand. Bereit mich zu erschüttern. Bereit mich fühlen zu lassen wie ein wirbelndes Sandkorn in einem Meer von Unverständnis.
An solchen Tagen sollte man sich das obenstehende Goethezitat an die Stirn nageln und am besten erstmal zwei Stunden spazieren gehen.

Montag, 30. März 2015

Ostern naht...


Ja, ich weiß, ein wenig viel LEBELIEBELICHT auf diesem Foto :-D Aber die Botschaft ist mir schon wichtig!
Meine Nachforschungen ergeben, dass die Einnahmen von Schafhaltern zu 98% aus dem Fleischverkauf stammen. 1-bis 2 Millionen Schafe, davon fast alles Lämmer, warden jährlich in Deutschland geschlachtet. Da das Fleisch der sog. Milchlämmer besonders zart und saftig ist, werden sie oft schon geschlachtet, bevor sie feste Nahrung zu sich nehmen können, d.h. im Alter zwischen 8 Wochen und 6 Monaten. In dieser Zeit müssen sie alledings zumeist auch noch die betäubungslose Amputation des Schwanzes und ...Männer: festhalten- ebensolcher Kastration über sich ergehen lassen.

Das Lamm, niedlich, ein Inbegriff von Unschuld und Sanftheit, hat zumeist kein langes Leben.


Ratschläge

 
 Das heutige Thema kam durch den Anruf einer Freundin zustande. Diese Freundin ist eine "Kirchenfreundin" und wir unterhalten uns zu einem großen Teil über Glaubensfragen aber auch Dinge der persönlichen Entwicklung. Mit jener Freundin habe ich in meinen Geburtstag hinein gefeiert, es war allerdings eher ein Abend voller Reflexion. Sie hat mir damals einige Dinge gespiegelt, welche ich gut annehmen konnte, einige konnte ich weniger gut annehmen, manches hat mich aus der Fassung gebracht. Sie hatte es damals geschafft, dass ich nach diesem Abend viele Sachen hinterfragte, auch andere Meinungen zu meiner Selbst-und Fremdwahrnehmung einholte.
Damals konnte ich einiges aufarbeiten. Anderes habe ich klar als ihre Projektion ihrer Probleme auf mich wahrgenommen (verunsichernd war es, allemal).
Diese Freundin hat heute angerufen und mir von ihrer Sorge um mich berichtet und mir einen Ratschlag gegeben, den ich (hab ich ihr auch gleich gesagt) erst bedenken muss und bezweifel, dass ich ihn in Kürze befolge.
Ich musste an den gestrigen Blog denken, in dem ich schrieb, eine Bitte sei kein Befehl, sie müsse frei bleiben. Ist es nicht mit Ratschlägen dasselbe? Müssen sie nicht völlig freilassend sein? Wer kann sich überhaupt -auf welcher Grundlage- das Geben eines Ratschlages "erlauben"?  Obwohl die Freundin meine Haltung verstand, kam mir ihr Ratschlag nicht freilassend vor.
unser guter Herr Goethe hat dazu folgendes beizusteuern
Rat zu geben ist das dümmste Handwerk, das einer treiben kann. Rate sich jeder selbst und tue, was er nicht lassen kann. Goethe
Ich bemerke immer wieder, wie schwer es ist in Situationen der wirklichen Not einen wertfreien Ratschlag zu erteilen (also einen, der das maximale Wohl meines Gegenübers beinhaltet und nicht mein Gutdünken). Ansonsten ist man natürlich auch gerne mal mit einem "gutgemeinten" Rat zu Stelle, wenn man in Wirklichkeit -ingeheim- es "einfach besser" weiß.
Oscar Wilde steuert diese genervten Worte bei:
"Er sagt Dinge, die mich ärgern. Er gibt mir gute Ratschläge."
Eine Recherché im Internet bringt mich auf die Ursprünge dieses "Rats" bei dem sich die Menschen im Kreise(RAD) setzten, um über etwas zu be-raten. Ich denke, in diesem Kontext ist der Austausch, das Abwägen, ein entscheidendes  Moment. Wenn das Problem von vielen bewegt wird, mit Herzensgüte, dann kann das Ergebnis sicherlich sehr hilfreich sein.
  • Guter Rat lässt frei
  • Guter Rat wertet nicht
  • Guter Rat sollte nicht eigenützig sein
  • Guter Rat ist nicht belehrend
Der griechische Philosoph und Mathematiker Pythagoras von Samos sagt, diejenigen, die anderen einen Rat erteilten, sollte frei sein von Hass, Zorn, Mitleid und Freundschaft.
Ich verstehe, was er damit meint. Dennoch bitte ich meine Freunde, mir auch weiterhin -freilassend- gute Ratschläge zu geben. Mehr als sie ignorieren kann nicht passieren  (doch, ich kann mich furchtbar aufregen und nie mehr ein Wort mit dir reden. Aber das erwähne ich an dieser Stelle nicht....)
Desweiteren bitte ich, meine wohlgemeinten Ratschläge freundlich zurück zu weisen, so sie unangebracht erscheinen (meistens sehe ich es ein).
Ich vertiefe mich nun in den epischen Anblick des Sonnenuntergangs.
*Licht und Liebe wünscht   *jo
 

Sonntag, 29. März 2015

STRESS

Auf einem Seminar zum Thema Konfliktmanagement machten wir folgende Übung: der Seminarleiter hieß alle Teilnehmer,sich locker im Raum aufzustellen und sich seinem Befinden nach zu positionieren. Im Zentrum des Kreises sei der Bereich, an dem man sich richtig pudelwohl und völlig souverän fühle, etwas weiter außen "ok". Je weiter man sich zur Peripherie bewegte,desto mehr Unbehagen, Stress, Überforderung sollte man damit ausdrücken.
 
Nun begann der Seminarleiter, verschiedene Szenarien zu erzählen und die Teilnehmer bewegten sich dem entsprechend durch den Raum. Die Geschichten begannen immer recht harmlos und steigerten dann ihr Stress-und Konfliktpotential, bis am Ende die meisten Teilnehmer ein deutliches Unwohlsein in der jeweiligen Situation hatten.
 
Diese Übung hat mir (uns) etwas sehr, sehr deutlich vor Augen geführt: jede Person reagiert in bestimmten Situationen anders. Wo der eine noch ganz entspannt ist, fängt für jemand Anderen schon wirklich Überforderung, Angst oder Panik an. Die selbe Person mag dafür in einer anderen Situation völlig entspannt reagieren.
 
STRESS IST ETWAS SEHR INDIVIDUELLES.
Dies dem Gegenüber zu zugestehen und zu akzeptieren ist essenziell- und eine denkbar schwere Herausforderung. Unverständnis, Ungeduld und unsachgemäßes Reagieren sind allzu leicht bei der Hand.
 
Wie kann man sich diese Diskrepanz zwischen Eigen-und Fremdempfinden vergegenwärtigen?Ich denke, am besten durch üben üben üben.
"Es gibt keine Methode. Es gibt nur Achtsamkeit." Krishnamurti
 
Im Prinzip hat Krishnamurti recht. Aber für die, welche doch mit "System" vorgehen wollen, aus unseren automatischen Reaktionen zu einem Bewusstwerden zu kommen: hilfreich ist dabei die Methode der "GFK" der Gewaltfreien Kommunikation.
Damit ist nicht gemeint, dass man immer und überall alles sezieren und analysieren muss. Aber die einzelnen Schritte separat anzuwenden, hilft oft, die Augen für den Gegenüber zu öffnen und für sich selber den Druck 'rauszunehmen.
 
Marshall Rosenberg, der Erfinder der GFK, verwendet dafür das sogenannte Giraffengeländer (die Giraffe, das Landsäugetier mit dem größten Herzen und einem guten Überblick steht in der GFK für Empathievermögen) .
Ich werde heute darauf nicht im Detail eingehen, wer möchte wird in der einschlägigen Literatur sicher fündig.
Nur soviel zum "Giraffengeländer": hier werden die Konflikteilnehmer erst um eine möglichst objektive Schilderung der Situation gebeten
(wieder frappierend, wie die verschiedenen Sichtweisen ein-und derselben Sachlage völlig auseinander gehen können).
Dann geht es darum, zu schildern, wie es einem damit ging (Gefühle). Anschließend versucht man, mitzuteilen, welche Bedürfnisse verletzt wurden (z.B. das Bedürfnis nach Rückzug, nach Verständnis, nach Gehör, Parteilosigkeit etc.) und welche Bedürfnisse man erfüllt haben möchte, um den Konflikt beilegen zu können.
Dazu spricht man im Anschluss eine Bitte an den Konfliktpartner aus. Eine Bitte ist kein Befehl! (das vergessen auch Eltern manchmal)
Der Unterschied besteht darin, dass eine Bitte freilassend ist, ob mein Gegenüber sie erfüllt. 
 
Bei Rosenberg fängt Gewalt übrigens nicht erst bei physischen Angriffen an, sondern bei allem, was Angst, Scham, Schuld, Nutzlosigkeit oder andere limitierende Gefühle auslöst.
 
“Gewohnheit versöhnt die Menschen mit jeder Gräueltat.” (George Bernard Shaw)
 
Es gibt dieses Zitat (Quelle: nicht eindeutig, am häufigsten als chinesisches Sprichwort deklariert. Ist nicht gerade mein Lieblingszitat, aber in diesem Kontext erscheint es mir passend:
Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten. Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.
Wobei wir wieder bei der Achtsamkeit wären.
 
Ich sende Euch lichtvolle Gedanken! *Johanna*


 

Samstag, 28. März 2015

GENIALE KINDER

Jetzt bin ich schon seit neun Jahren Mutter.
Keine normale Mutter, versteht sich. Eine aufmüpfige. Eine, die Impfungen ebenso in Frage stellt wie die aktuelle Politik (...ach, die alte Leier?) und das staatliche Schulsystem.
Es war ein langer, innerfamiliärer Kampf, bis mein Mann damit einverstanden war, dass mein Großer die Waldorfschule besucht. Für mich kam nichts anderes in Frage, damals.
 
Ich war selbst Waldorfschülerin, 13 Jahre lang. Und fand Schule nie toll. Einzelne Aspekte schon, und ich verdanke dieser Schule, dass ich viele Dinge ergreifen durfte, die meinen Freunden aus "Regelschulen" verwehrt blieben. Aber Schule per se und meine Klasse insbesondere fand ich schwer zu ertragen.
Als wir vor ein paar Jahren nach Rumänien auswandern wollten, habe ich mich erstmals angefangen, mit den "Alternativen zu Schule" auseinander zu setzen. Und war beunruhigt: Meine Recherchen deckten sich nicht mit meinem Bauchgefühl. Es konnte doch nicht sein, dass nur (christliche) Fundamentalisten und völlig weltfremd wirkende Eigenbrödler ihre Kinder NICHT in die Schule schickten? Denn zu beiden Gruppierungen zählte ich nicht. Und hatte trotzdem das Empfinden, dass Kinder auch ohne Schule alles lernen, was sie lernen wollen.
 
Über die Jahre hat sich dieses Bauchgefühl gehalten und ist durch mehrere Komponenten bestärkt worden: in esoterischer Hinsicht dadurch, dass ich immer mehr sicher sein darf, dass alles Wissen des Universums bereits in unseren Kindern schlummert. Phänomenologisch  gesehen, konnte ich einfach an meinen Kindern beobachten, wie ERKENNTNISSE scheinbar aus dem Nichts auftauchen. WER HAT SIE DAS GELEHRT?WO KOMMT DIESES WISSEN HER?
Das nun bewusste Wahrnehmen vorhandener Tatsachen (dass das Erlernen der Muttersprache eine komplexere Leistung ist als Atomphysik, etwa) war großartig und beschämend zugleich.
Denn so oft sprechen wir unseren Kindern das Können ab, weil sie nicht schnell genug sind oder einen anderen Weg dahin einschlagen, als wir. Weil wir es eilig haben. Weil wir kein(oder nicht genug) Vertrauen haben in ihre Fähigkeiten und ihren absoluten LERNWILLEN. Ja, alle Kinder wollen ständig lernen. Es sei denn, man verdirbt es ihnen nachhaltig.
 
Das Rücksichtnehmen auf eigene Stärken und Interessen ist an einer Schule fast nie möglich. Alle müssen alles gleichzeitig lernen und abrufbar wiedergeben können.
Ich bin froh, dass ich jetzt entdecken durfte, dass es -auch in Deutschland- viele Menschen gibt, die ihre Kinder frei lernen lassen. 


Tell me and I forget. Teach me and I  remember. Involve me  and I learn.  Benjamin Franklin

Freitag, 13. Juni 2014

Neustart

Viel Wasser ist den Neckar hinuntergeflossen, seit ich das letzte Mal etwas hier geschrieben habe. Es war eine spannende Zeit, die mich auch sehr verändert hat.


Und es kam der Tag

da das Riskio in der Knospe zu verharren

schmerzlicher wurde

als das Risiko zu blühen.

Anais Nin

Seit einem Jahr etwa ernähre ich mich (zuhause, in guten Zeiten) fast vegan. Ich habe gelernt, dass die falsche Arbeit einen krank machen kann. Und bin wieder, immernoch, immerwährend eine Suchende. Es sind die großen Themen, die mich weiterhin umtreiben: Menschen- und Tierrechte, Politik, geundes Essen und alternative Lebensweisen. Die Tage mehr!

Sonntag, 26. August 2012

Mein Urlaub, Woche 3 1/2

Nun reisten wir wieder zurück nach Sibiu, die Serpentinen hinunter. Ich nutzte die Gelegenheit, das erste Mal seit 2 Jahren einen Stadtbummel durch Sibiu zu machen.
Ich genoss es, durch die mir so vertraute Altstadt zu bummeln und auf dem 'Piata Mica', dem "Kleinen Markt" in der mediterranen Atmosphäre der Straßencafes zu sitzen und bei einer Eisschokolade ein gutes Buch zu lesen
Später kam der Rest der Familie und Freunde dazu, und ich freute mich sehr einen alten Freund wiederzusehen.
Die 'piata Mica'


Sibiu's Flaniermeile

Wir  fuhren gen Bukarest : nicht den kürzesten, sondern den schönsten Weg- die sogenannte "Transfagarasan"-Route über die Karparten.
Die Landschaft in Siebenbürgen ist einfach sehr, sehr schön! Ich mag diese sanften Berge, die malerischen Dörfer, deren wehrhafte Kirchtürme an die Anwesenheit der Siebenbürger Sachsen erinnern, die Koexistenz von Moderne und Tradition, die Storchennester auf den Strommasten und Scharen von Wasserlilien (Iris, einer meiner Lieblingsblumen) in den Sumpfgebieten.
 

Die Bergstation Balea Lac: hier machte wir Pause und genossen den Blick über die bereits überwundenen Serpentinen. 


 Die Abfahrt war -spektakulär. Einerseits die tolle Aussicht, andererseits die scharfen Kurven- irgendwann wurde mir nur leider furchtbar schlecht davon. Erst als mein Mann mir das Steuer überließ (weil er müde war...haha) wurde es etwas besser. Ich war dennoch froh, als wir die Ebene erreichten. Gegen 19h kamen wir in Bukarest an.
Das Hotelzimmer war...bescheiden. Zum Preis einer gehobenen Pensions-Übernachtung in Deutschland bekamen wir ein Doppelbett und einen ausziehbaren Plastiksessel, ohne Frühstück. Die Lampe im Bad musste man leicht rütteln, damit sie ihre Leuchtkraft entfaltete, und den "Raumerfrischer" verbannte ich abgeschaltet in den Schrank- man konnte vor lauter "Frische" kaum atmen.
Unsere Kleine, die den Sessel belegte, schlief so fest, dass sie nichteinmal wach wurde, als sie samt Laken vom Sessel glitt. Wir fanden sie morgens, tief schlummernd, im kleinen Spalt zwischen Sessel uns Wand.
Wir weckten die Kinder erst, als die Zeit drängte,  sich rasch schick zu machen für die standesamtliche Trauung von A+T.
Ich war doch relativ stolz darauf, wie gut ich meinen Mann durch die halbe Stadt zum Rathaus des dritten Sektors dirigierte :-) Tsja, die Pfadfinderjahre haben sich doch gelohnt...
 
Das Paar wurde aufgerufen und in den Saal komplimentiert. Die Standesbeamtin vollzog in drei Sätzen die Trauung! Soviel Pragmatismus war dann doch überraschend, bei all der Aufregung ringsum! Brautpaar und Trauzeugen leisteten ihre Unterschriften, begleitet vom surren der Auslöser. Dann ging es- nach vielleicht 7 Minuten, zum Hinterausgang auf die Freitreppe.
In der Innenstadt wollte das Paar nur mit der Familie und den engsten Freunden ein wenig entspannen. Also verbrachten wir die nächsten Stunden in einem exklusiven Café, in denen ich auch T.-s Schwester kennen lernte, die ich bis dato noch nicht kannte.
Dann ging es zurück zu dem Plattenbau, in dessen schrägen Sofakissen ich so viele 'heiße Nächte' verbracht hatte: die Kinder wollten zum Hund, Printesa, und A. wollte noch ein 'Standesamt-Fotoshooting' mit mir im nahen Park machen.
Am nächsten Tag hieß es dann sich "richtig" fein zu machen für die kirchliche Trauung und die anschließende Feier. Wir fuhren mit unseren lieben Bräutigamseltern zu der wunderschönen Holzkirche.
Das Brautkleid? Siehe Woche 2...Der Bräutigam im 1a Frack machte auch eine stattliche Figur.  Es gab 4 oder 5 Geistliche, die sich mit ihren Segenswünschen, Predigten und Gebeten abwechselten- nicht zuletzt dem Fakt zu verdanken, dass A. orthodoxe Theologie studiert hat- es war sogar auch ein Studienkollege von ihr unter den Priestern.
Schließlich und Endlich ging es zur Festlocation. In einem schönen Park gelegen, der Palatul Ghika. Die Feier fand allerdings dahinter statt, in einem prächtigen Festzelt. Mit Champagner uns Häppchen begrüßt, fanden wir uns an unserem Tisch ein.Wir saßen am "Deutschen Tisch"- alle dort konnten
Der Hochzeitstanz: wohleinstudierte Schritte, Drehungen und Schwenkungen zu einer Melodie(vonBand) von A.-sVater (der 'im Volke' weniger als Parlamentarier, als als berühmter Folk-Sänger bekannt ist).
Später sollte er sich - nach einer Stunde Live-Musik eines anderen Sängers seiner Generation- selber für ein Duett und einige weitere Lieder die Ehre geben.
Das einzige Mal in diesen zwei Tagen kamen mir vor Rührung die Tränen, als er A.-s Mutter für diese wundervolle Tochter dankte (die beiden waren nie verheiratet gewesen, A. wuchs bei der Mutter auf).
Die Kinder hatten rasch Ablenkung gefunden und waren nicht zum Platznehmen am Tisch zu bewegen, außer um von den schokolierten Früchten zu naschen, die sie sich am Schokobrunnen besorgt hatten.
Ich tanzte viel, meine neuen Glitzerpaillettenpumps gaben mehr her, als ich dachte.  Ich blieb- da ich es versprochen hatte- bis zum Anschnitt der Hochzeitstorte um 3h. Dann schlug die Müdigkeit zu und ich war froh, mich einigen meiner Tischnachbarn auf den Weg zum Hotel anschließen zu können.

Wir waren vor der Abreise noch mit einem anderen Freund um die Ecke auf einen Kaffee verabredet und auf dem Weg aus Bukarest hinaus mit Schwägerin und Schwiegermuttern, vom Meer heimkehrend...
Hat alles irgendwie geklappt. Spätabends kamen wir nach einem lagen Tag im Auto in der Wohnung von meiner Schwägerin in Timisoara an, wo wir uns am nächsten Tag für die letzte Etappe der Heimreise ausruhten. 
Die letzte Aufregung ereilte uns an der Grenze zu Deutschland:
mit dem Wunsch, die eigene Wirtschaft anzukurbeln wollten wir erst in Deutschland tanken. Das Navi hatte eine Tankstelle gefunden, die Tankanzeige blinkte, sollte aber noch für 20 km reichen. Einen Km vor der Raststätte zog der Motor nicht mehr! Wir sahen uns bereits das Auto den Berg hoch schieben...ein Stoßgebet---
das Auto erreichte den Gipfel und rollte buchstäblich mit totem Motor die letzten paar hundert Meter zur Tankstelle hinab!!!!

Das wars, Leute! Wir sind wieder hier- ohne Blessuren oder größere Traumata- dafür mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck.
Schöne Grüße aus dem Ländle*johanna*

Freitag, 24. August 2012

Mein Urlaub, Woche 3

Am Sonntagnachmittag fuhren wir hinauf nach Paltinis. Paltinis ist nur 35 Km von Sibiu entfernt und ein Ski-und Urlaubsgebiet. Neben einigen Hotels gibt es viele "Hütten"- Cabana's, die vom einfachen Häuschen bis zur Luxusvilla alles sein können.
Wir wurden von einem guten Freund begrüßt, der uns seine "Hütte" zur Verfügung stellte, von seiner Familie samt wunderschönem Hund und den streunenden Hunden der Umgebung. Es war ganz schön kalt!
In Sibiu konnte man tagsüber beruhigt in Short und T-shirt herumlaufen, hier oben waren es gerade einmal 11 Grad!
Einglück war der Kachelofen schon in Betrieb. Das Haus war super ausgestattet, mit einer kompletten Küche, 2 Bädern und jede Menge Schlafgelegenheiten. Im Obergeschoß gab es 8 Betten, unten nochmals 3 und die Couch hätte man auch noch ausziehen können. Für uns 4 war also genügend Platz vorhanden...
der Grill...
Am Montag war Ausschlafen angesagt. Die Kinder wachten tatsächlich erst sehr spät auf und bis wir gefrühstückt hatten, war der halbe Tag bereits um. Wir fuhren mit dem Sessellift auf den Gipfel der Skipsite und liefen den Weg zurück. Freude und Glück pur!
Die Kinder rannten, bis sie in das Gras plumpsten, standen auf, rannten weiter...
Abends mummelten wir uns vor dem Ofen ein.
der "Himbeerhang"
Dienstags machten wir einen Ausflug in entlegene Himbeer "gründe".
Gegen Abend fuhren wir in die Stadt hinab- unser Proviant war sehr geschrumpft. Auf dem Weg trafen wir

Fuhrwerke

Schafe...

Kühe..

Esel..



Und einen wunderbaren Sonnenuntergang...
Am Abend kamen Freunde von uns zum Grillen. Die "Paten", die schon am Abend zuvor dagewesen waren, berichteten, dass sie auf der Heimfahrt ein Bärenjunges gesehen hatten. Bei dem Gedanken, ihm und der Mutter bei den Himbeeren begegnet sein zu können, wurde mir schon ziemlich mulmig zumute!
Am nächsten Tag war ein Feiertag- Sankt Maria. Eine unserer Freundinnen, Mari, hatte sich angekündigt, um mit uns und den Anderen ihren Namenstag zu feiern (meist wird er mehr gefeiert als der Geburtstag!)
Aussicht aus der Hütte
Der "Pate" und seine Freunde nutzten die Gelegenheit des Feiertags und machten das Gelände mit ihren ATW-s (Quands) unsicher. Sie trafen früher ein als einige andere und drehten- zur großen Freude derselben- auch einige Runden mit den Kindern.

Der Abend war lang, der Grill wurde gefordert, die Stimmung war gut. Doch am nächsten Mittag hieß es schon Abschied nehmen von unserer Hütte- bevor wir uns auf den weiten Weg "über die siebenbürgischen Berge"  auf zur Hochzeit von A+T machten, wollten wir noch eine Nacht in Sibiu verbringen.


Pferde beim Spaziergang...



Mein Urlaub Woche 2

Montagmorgen. Gedämpfte Stimmung herrscht, als A+T zurück vom Rathaus kommen. Sie sind um 4h früh dort aufgetaucht und haben schon einige Wartende vorgefunden, die seit den frühen Abendstunden dort weilten : für den angepeilten Samstag sind nur 12 Plätze für standesamtliche Trauungen frei- wer zuerst kommt, malt zuerst.
Als die Reihe an Ihnen ist, gibt es ein Problem- eine Formulierung in den frischen Scheidungspapieren von T ist nicht eindeutig- die Standesbeamte beschimpft ihn als-potentiellen- Bigamist. Trotzdem reserviert sie den Platz unter Vorbehalt.
Telefonate in alle Richtungen beginnen- der Anwalt wird konsultiert, ebenso der Vater von A(ein Parlamentarier), Bekannte, die in Behörden arbeiten. T. regt sich auf- er ist der Meinung, die Beamtin wollte nur Schmiergeld und dachte, bei A-s berühmten Namen sei vielleicht viel herauszuschlagen...

 Die Hitze hat ihren Höhepunkt erreicht, die wenigen hundert Meter von der Metro bis zum Wohnblock kommen mir vor wie eineWeltreise.
Als ich wieder ankomme, gibt es keine Neuigkeiten.
A. hatte mich schon vor dem Wochenende gefragt, ob ich sie zur Abholung ihres Brautkleides begleite. Tu' ich doch glatt, gern sogar.
Bevor wir das Kleid abholen, sagt mir A, wie gut es ist, dass ich da bin. Die Spannungen seien so besser zu ertragen. Schön zu hören, denn mir gehen die Unklarheiten bezüglich der Hochzeit auch an die Substanz. Ich fühle mich hilflos, weil ich bei den gegenseitigen Schuldzuweisungen nicht Partei ergreifen will und kann.
A. hat ein dickes Bündel Geldscheine in ihrem Portemonnaie, das sie für die rosenbewehrten Tüll-Lagen, den Reifrock, Handschuhe und den Schleier hinblättert.
 
Die Diskussionen hinterher sind wenig romantisch: es scheint, das Dokument vonT ist wirkich nicht in Ordnung. Was tun? Den Pope bestechen? Alles absagen? Zur Not nur einen Verlobungsgottesdienst machen (gibt es, bei den Orthodoxen) ???
Um die Stimmung etwas aufzuhellen, lade ich die Beiden zum Essen ein. Wir fahren zu einem esoterischen Seminarhaus (Casa Satya), indem auch A schon Kurse gegeben hat, und in dem es ein ayurvedisches Restaurant gibt. Tatsächlich können wir für knapp 2 Stunden bei Köstlichkeiten und frischgepresster Limonade die prekäre Situation etwas vergessen.
Dem wunderschönen Außenbereich ziehen wir das klimatisierte Innere vor. Das Essen ist wirklich gut, wenn auch preistechnisch etwa doppelt so teuer wie z.B. in einer Pizzaria vor Ort.
Wenn ich die Gelegenheit habe, werde ich auf jeden Fall wiederkommen!
Am Abend bekomme ich die Einweihung in den ersten Grad in Karuna-Reiki. Es ist ein wunderbares, fast überwältigendes Ereignis.
Mittwoch: Langeweile! Ich mache einen letzte Streifzug durch die Innenstadt.
Donnerstag: Warten auf Godot. Oder: das ersehnte Ok zur Hochzeit.
Endlich die gute Nachricht: die standesamtliche Trauung kann stattfinden und sogar wie gewünscht, am Tag vor der kirchlichen Trauung!!!!

A. hat am nächsten Morgen einen Termin in einer Klinik. T. soll sie hinbringen, also kann er mich nicht, wie angeboten, zum Bahnhof fahren.
Abends folgt die Einweihung in den Meistergrad des Usui-Reiki. Viel weniger spektakulär als die Karuna Einweihung, bin ich doch froh: jetzt darf ich selber Einweihungen vornehmen!!!
 
Mein Koffer und ich machen uns auf den Weg zum Nordbahnhof. Gut, dass ich soviel Zeit eingeplant hatte: die Fahrt mit der Metro dauert länger als erwartet. Mit einigen neuen blauen Flecken bewehrt, die mein elends schwerer Koffer verursacht hat,  erreiche ich die Schalterhalle. Ich hatte den Zug als Transportmittel zurück gewählt, weil mir die Hinfahrt so gut gefallen hat. Es gibt gute Reisebusse zwischen den Städten, billiger und schneller, aber im Zug hat man schönere Aussichten und kann auch mal aufstehen---

Die Dame am Schalter verkaufte mir ein Ticket, merkte aber gleich an, dass ich von den 6 Stunden nur 3 einen Sitzplatz hätte.

Die letzte 3 Stunden meiner Reise musste ich also stehen... im Korridor war es eng und warm. 
Ich war froh und erschöpft, als ich am Bahnhof in Sibiu endlich meine Familie in die Arme schließen konnte.
Aus familienpolitischen Gründen (eben jenen, warum ich nicht den ganzen Urlaub mit Mann und Kindern bei den SCHWIEGER-Eltern verbrachte) war ich bei einem guten Freund und Patenonkel unserer Tochter untergekommen. 
Dessen trickreiche Ausziehcouch war- Gott vergelt's- nicht nur mit einer doppelbettverdächtigen Breite sondern auch mit einer ebenen Schlaffläche ausgestattet :-)
 
 


Die Kinder wollten unbedingt bei mir übernachten und so zogen wir zu dritt auf die Ausziehcouch.
Der nächste Tag: Sonntag. Ausschlafen, frühstücken mit den Paten. Vorbereiten für die Zeit in den Bergen. Abschiedessen mit den Schwiegereltern im Restaurant. Abfahrt in die Berge. Zweite Woche rum? Jawoll.

Mein Urlaub Woche 1

zwölf Stunden Autofahrt. Übernachten. Fünf Stunden Autofahrt, dann trenne ich mich von meinen Lieben und fahre sechs Stunden mit dem Zug weiter:
atemberaubend schöne Landschaften, pittoreske Dörfer, schleichendes Bergankriechen durch die Karpaten.


Dann wird das Land flach und während die Sonne versinkt, nähern sich mein schwerer Koffer und ich der rumänischen Hauptstadt, Bukarest. Hier  werde ich Recherchen für mein Buch machen und meine gute Freunde bei ihren Hochzeitsvorbereitungen unterstützen.
Außentemperatur: 37 Grad, um 21 Uhr!

Den nächsten Tag verbringe ich ausschließlich in der Wohnung: ich bin vollkommen platt von den 2 Tagen Reise. Und. es gibt viel zu besprechen mit A., die nicht nur mit Schwangerschaftsübelkeit, sondern auch mit Hochzeitsvorbereitungen kämpft.
Ich bekomme als erste eine gedruckte Einladung zu ihrer kirchlichen Hochzeit- welche Ehre.

Am nächsten Morgen beginner ich meinen Streifzug durch die Stadt. Ich habe mich früh auf dem Weg gemacht, weil der Wettergott Hitze bereithält. Mein erstes Ziel, ein  Museum, ist wegen Renovierungen geschlossen. Eine dreiviertel Stunde umsonst herumgelatscht! Aber: auf dem Weg erreicht mich ein Anruf- ich habe eine "neue" kleine Nichte bekommen!!!!!!!! Willkommen!
Vor Freude mache ich mich beschwingt auf zu weiteren Hotspots auf meiner Liste. Erschöpft und erhitzt komme ich am Nachmittag wieder im Osten Bukarests an. T. hat mir versprochen, mich zu einem etwas abgelegenen Punkt auf meiner Rechercheliste  zu fahren. Auf dem Weg dahin zeigen mir die Beiden die Kirche, in der sie heiraten werden, das Hotel, das wir bewohnen, wenn wir aus diesem Anlass in die Hauptstadt zurückkehren, und den Palast, den sie für die Feier gebucht haben.

Wir verlassen die Stadt und fahren zu einem Kloster, das etwas außerhalb liegt. A+T wollen hier Einladungen für ihre Hochzeit verteilen, denn hier ist ihre religiöse "Heimat", der Priester ihr Beichtvater.
 


Nach dem Gottesdienst: großes Hallo und Freude über die Anwesenheit von T. und A. Der Patriarch lässt in herrischer Manier die diensteifrigen Damen springen, um Essen für uns zu richten.  Einglück ist er ansonsten witzig und nett, sonst hätte er meine Sympathie schon vor dem Vorstellen verspielt...
" die orthodoxe Frau weiß, dass sie die Nummer Zwei ist" habe ich am Abend zuvor in der religiösen "Klolektüre" von A.+T. erfahren. Der Ton des Patriarchen und die duckmäuserische Eifrigkeit der anwesenden Weibchen lässt daran keinen Zweifel.

Meine Freunde fahren über das Wochenende weg- ich darf ihre Wohnung ganz für mich alleine haben.
Die Nächte verbringe ich mit geöffneten Fenstern und hochgebunden Haaren bei möglichst wenig Kleidung auf der leicht schrägen Sofafläche im vollgestopften Wohnzimmer der 2 -Zimmerwohnung. Trotz des leichten Luftstroms, der zusammen mit fernem Großstadtlärm hereinweht, ist regelmäßiges Nassgeschwitztsein nicht zu vermeiden. Ich zweifle daran, dass das Termometer nachts unter 30 Grad sinkt.

Tagsüber steigt es bedenklich. Am nächsten Tag habe ich bei 40 Grad wahrlich keine Lust, mich den Dämpfen schmelzenden Asphalts hinzugeben und suche eine nahe Mall auf.  Ich genieße die klimatisierte Kühle in den Hallen des Konsums und schwelge in den Angeboten des Sommerschlussverkaufs. Das erste mal seit 10! Jahren erstehe ich ein Paar Sandalen! Meine Fußkomplexe sind in den letzten Tagen kleiner geworden: hier trägt jede Frau Sandalen, egal wie hässlich die Füße sind... da können meine Knubbelzehen doch auch ein bisschen Frischluft atmen...
Für die Hochzeit kaufe ich pailettenbesetzte Pumps in Gold zum Preis eines Bechers Kaffee.
Leider nicht reduziert, aber eine Schwärmerei wert ist ein Kleid, das ich kurz darauf entdecke:
ich kaufe es, behalte es gleich an und krame auch die neuen Sandalen aus der Tüte. A. ist begeistert, als sie mich erblickt und ich fühle mich----gut! Wir feiern diesen Shoppingerfolg mit dekadentem Schlemmen bei Starbucks.
 


Das Wochenende: ich fühle mich ein wenig wie ein verlassener Hund. Stromere durch die leere Wohnung, ab und zu die Klimaanlage im Schlafzimmer anschmeissend, um im Wohnzimmer atmen zu könne... Nutze die Morgenstunden für Recherchen, die Nachmittage zum Schreiben, Schlafen, Fernsehen. Abends alleine weg zu gehen, habe ich keine Lust.
Ich ernähre mich nach der veganen Schonkost der letzten Tage fettig und ungesund. Miammmi.

Sonntagabend sind die Wohnungsbesitzer zurück, zusammen mit Printessa, dem Cockerspaniel, der bei Omi im Hitzeasyl war. Die nahende Hochzeit soll sie natürlich nicht verpassen und wird mit einem riesigen Filzkorb in den Flur verfrachtet. Ich bin ein rieeesiger Hundefreund und mag auch Printzessa,aber ihre Ausdünstungen sind bei diesen Temperaturen dem Wohlbefinden nicht zuträglich. Schon eine Woche 'rum? ich kann es nicht glauben!

Donnerstag, 26. Juli 2012

König werden

Ein König will ich werden,
ein König stark und rein
dem Guten auf der Erde
soll Glück beschieden sein.

Dies waren die Worte, bei denen mein Sohn eine Krone aufgesetzt bekam, um sich vom Kindergarten "ins Leben" zu verabschieden. Schee.
Anschließend gab es -ein dem Anlass entsprechend- rauschendes Fest.


Heute habe ich
a) einen schönen Vormittag mit netten Leuten auf einer Terrasse verbracht- Arbeitsbesprechung, wenn man so will
b) eine rieeeesen Kiste Bücher geschenkt bekommen, die ich schon immer haben wollte (naja, zumindest so ~10 davon ; )
c) mir die Hände am Autolenkrad verbrutzelt. Brutal!
d) einen Tritt von meiner Tochter bekommen, die dann auf mein "Hei!" erwiderte: "Upps, ich wollte eigentlich die Sonne treten..."

Die 1 1/2 Tage bis zur Fahrt in den Urlaub sind noch ziemlich vollgestopft...unter anderem steht mir gleich eine "bergauf"-Fahrt mit dem Fahrrad bevor, auf dem Weg noch 3 Kilo Bücher in der  Bücherei zurückgeben, eine lang geplante Verabredung einhalten und heute abend noch 2 Stunden Job. Juchhei.
Morgen: vormittags arbeiten,nachmittags grillen, gegen Abend: der Rest (packen, vorbereiten, Panik bekommen...)
Liebe Grüße! Johanna

Sonntag, 22. Juli 2012

seele

wusstet ihr, dass es im süddeutschen raum ein gebäck namens 'seele' zu kaufen gibt?!?!
also 'seele mit käse und schinken' 'seele mit kräutern', 'süße seele'...

für misch als reinrassische' hesse etwas gewöhnungsbedürfdisch...

wer aber nach den 'zwei seelen, ach, in meiner brust' fragt, dem sei folgendes als denkanstoß mitgegeben:

YOU DON'T HAVE A SOUL-
YOU ARE A SOUL,
YOU HAVE A BODY....

warum ich heute kleinschreibe? keine ahnung. vielleicht, weil das leben heute kompliziert erscheint und ich mal wieder die erwartungen anderer in mich hineinprojizieren lasse.braunkack, verdammischer.
strahlendes wetter und warme temperaturen sollten doch etwas anderes hervorbringen.
der urlaub wartet und plötzlich habe ich schon wieder lust alle meine pläne durcheinander zu wirbeln.
wem das alles anstrengend und sprunghaft vorkommt: ja genau. isses.

schöne grüße von einer ...im inneren ganz sanften, vollkommenen...großen seele. euch licht und liebe, ich könnte auch eine portion vertragen!*johanna*

Freitag, 20. Juli 2012

ein Experiment

Hallo Ihr Lieben!
Heute ist der zweite Tag eines Experimentes: ich probiere- zunächst mal bis zum Urlaub in 10 Tagen- so vegan wie möglich zu leben. Bisher läuft es klasse!

Mein Großer hat heute seinen 4.-letzten Kindergartentag- die Schule naht :55 Tage sind es noch bis zur Einschulung, das musste ich ihm abzählen und im Kalender eintragen!
Eine gewisse Melancholie umfängt mich bei dem Gedanken- einige gute Freundinnen werden dann nicht mehr täglich -beim Bringen und Abholen- präsent sein. Bin gespannt, ob der Kontakt bleibt. Alles fließt...

Die Urlaubsvorbereitungen laufen an! Deshalb muss ich jetzt auch noch dringend andere Dinge machen als 'im Internet abhängen'. Ein paar Worte eines großen Mannes zum Nach-denken (lassen)

Ich habe die feste Überzeugung, dass unser Geit ein Wesen ist von ganz
unzerstörbarer Natur:
es ist ein fortwirkendes von EWIGKEIT ZU EWIGKEIT
Es ist der Sonne ähnlich, die bloß unseren irdischen Augen
unterzugehen scheint, die aber eigentlich nie untergeht,
sondern unaufhörlich fortleuchtet.
                                                   Goethe

Macht das Beste aus Eurem jetzigen Besuch auf der Erde! Namaste, *johanna*

Mittwoch, 18. Juli 2012

ich habe...

Ich habe einen kleinen Tropfen Weisheit in meiner Seele. Lass ihn eingehen in Dein Meer. Rumi

Ich habe meinen Lieblingspullover wieder.

Ich habe schon wieder eine interessante Idee, von der ich nicht weiß ob ich sie verfolgen soll.

Ich habe eine Kohlrabicremesuppe auf dem Herd.

Ich habe gut geschlafen.

Ich habe tausend Sachen, vor denen ich mich drücke.

Ich habe in meinem Roman, dessen Handlung von Sonntag bis Sonntag spielt, den Freitag erreicht.

Ich habe eine Petition unterschrieben, die sich gegen die unbetäubte Kastration von Ferkeln ausspricht.

Und dann habe ich fast geweint.
Weil die Menschen sich über die Schöpfung stellen. Und Mitlebewesen wie Dinge behandeln.Unbetäubte Kastration von Ferkeln? Ich musste mir den Film dazu garnicht anschauen, um von Grauen erfüllt zu sein.
 Jährlich sind -allein in Deutschland- mindestens (also Dunkelziffer unbekannt) 200.000 der Rinder, die geschlachtet werden, noch am Leben, wenn sie dem Zerleger unter das Messer kommen, weil das Bolzenschussgerät nicht richtig angesetzt wurde.
500 000 Schweine jährlich leben noch, wenn sie zum Entborsten in brühendes Wasser geworfen werden.
Trächtigen Schlachtkühen wird das Kalb aus dem Leib geschnitten und einfach auf den Müll geworfen.

Das alles erfüllt mich mit Scham. Weil es hingenommen wird.

Ich bin auch zu feige, mich mit "Körpereinsatz" gegen diese Methoden zu wehren, wie es die 'richtigen' Tierschützer tun. Aber jeder kann durch sein Konsumverhalten NEIN zu Billigfleisch sagen und jeder kann Petitionen unterschreiben.
und ich bitte Gott um Stärke, dass ich in Zukunft den Mut habe, noch viel mehr zu tun.
*johanna*

Montag, 16. Juli 2012

Absage-Ansage

Ist es der Sonnen-Feuersturm, der gerade Alle(s) einerseits hibbelig, andererseits träge sein lässt? Furchtbar: ich bin total aufgekratzt und müde zugleich.

Heute morgen, noch im Schlafanzug, habe ich eine Online-Bewerbung abgeschickt. Absage-Rekord: in einer Stunde hatte ich einen negativen Bescheid zurück.
Meine Ansage an mich selber: bis zu den Sommerferien meinen Roman so weit wie möglich Gestalt annehmen lassen. Wenn der Arbeitsmarkt mich nicht will, muss ich doch wenigsten damit gut sein.

Es gibt auch gute Neuigkeiten: Die "Sommerpause" nimmt Gestalt an, die Chancen, in den Ferien den Reiki-Meister zu machen, sind exponentiell gestiegen.
Hab ich schon erwähnt, dass mein Lieblingspullover, den ich in Stuttgart in der Yogaschule habe liegenlassen und der bei Nachfrage nicht auffindbar war, wieder aufgetaucht ist? Wäre schon schön, wenn er den Weg zu mir zurück findet. Ja, ja, schon interessant, wie wir unser Herz an Dinge hängen (der Pulli IST aber auch sowas von perfekt für mich!).

Ein interessanter Gedanke zum Schluss:

"Man kann sich auf zwei Arten irren. Man kann glauben, was nicht wahr ist, oder man kann sich weigern zu glauben, was wahr ist." Kierkegaard

Licht und Liebe!*johanna*

Sonntag, 15. Juli 2012

Nomen=omen?

draußen regnet es in Strömen. Ich kann mich-trotz fortgeschrittener Stunde- nicht entschließen, mein Nachthemd an den Nagel zu hängen: es ist ein Tag an dem man am liebsten nur im Bett bliebe!

Mit meinem Flyer bin ich weitergekommen. Nachdem ich vor ein paar Tagen den 'Firmenname' geträumt hatte, habe ich gestern an einem Logo gearbeitet und ich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Habe schon fleißig gescannt und mit "Windos Paint" herum experimentiert.
Die Grundlage ist da, wie ein Flyer draus wird, muss mir wohl ein Profi zeigen. Any suggestions?

Interessant: wenn man meinen Namen (ohne Doppelnamen-Anhang, versteht sich) bei xing eingibt, erscheinen 2-3 Damen, die sehr ähnliche Dinge beruflich machen- zwei "Energetikerinnen" und eine Ethnologin....
Schlussfolgerung: Nomen est omen? Auf meinem München-Seminar hat mir eine andere Teilnehmerin ein Namens-Buch mitgebracht. Die Beschreibung des Namens Johanna war sehr schön-und stimmig und ging weit über die übliche Definition("Gott ist Gnade") hinaus. U.a. wurde den Johanna's eine hohe Spiritualität und intuitiver 'Umgang' mit dem 3.Auge (Stirnchakra) zugesprochen.

Heute kam mein Sohn mit der "Familienbibel" an-einem reich und plastisch bebilderten Geschenk, das meist gut in irgendeiner Ecke des Bücherregals einstaubt. Er wollte wissen, ob der Mann am Kreuz Jesus Christus sei und warum er da hänge und ob er dabei nicht stürbe. Uff. Bibelgeschichte kindgerecht und trotzdem wahrheitsgemäß zu vermitteln, ist garnicht so einfach. Versuchend, die Auferstehung in den Fokus zu rücken - was bei den drastischen Darstellungen von Dornenkrone und blassem Leichnam nur schwer gelang- rang ich nach Worten.


Liebe Grüße, johanna

Samstag, 14. Juli 2012

Frösche

Hallo Ihr Lieben!

Gestern war ich in meiner Funktion als Quasi-Religionslehrerin mit auf einer Jugendveranstaltung: etwa 35 Jugendliche sind mit dem Boot unserer Gemeinde den Neckar rauf gefahren und haben auf einer Wiese übernachtet. Ich bin abends für einige Stunden dazugekommen. Schön: Niemand war sich zu schade, einfach zu singen, auch die vollpubertären Jungs nicht. Fünf Klampfen(ich hatte meine auch dabei) sorgten für die Gesangsuntermalung.Schöööön!
 Der Suppentopf über'm Feuer und ein großes, offenes Zelt hielten die Laune auch bei strömendem Regen gut.
Als ich über die Feldwege zurück nach Hause fuhr, sah ich im Scheinwerferlicht hunderte winziger Frösche (von den Schnecken garnicht zu sprechen). Sie hopsten munter auf der Straße herum...Keine Ahnung, wieviele unter meinen Reifen gelandet sind- habe in Schlangenkurven mein Bestes gegeben um sie herumzufahren, aber - es waren einfach sehr, sehr viele!Karma- oh weh!

Wir planen gerade die Sommerferien (die im Ländle ja immer sehr spät sind) und es ist garnicht so einfach, da auf einen Nenner zu kommen, zwischen Ehegatten ;-)

Ich habe ein schönes Magazin entdeckt "ZUFALL, das WIRtschaftsmagazin mit Herz"- ich denke, es wird immer mehr Firmen geben, die merken dass Gewinnmaximierung auf Kosten von Personal und Qualität auf Dauer nicht funktioniert. Umdenken ist angesagt.
Mein Mann sagte vorhin zu mir: "Was machen Deine Pläne bezügich der Selbstständigkeit?Ich sehe dich garnicht mehr daran arbeiten" Ich protestierte, doch meine Gründe waren schon eher fadenscheiniger Natur. Ich glaube, ich habe Schiss vor dem ganzen Behördenkram.
Liebe Grüße, Licht und Liebe sendet Euch *johanna*

Dienstag, 10. Juli 2012

Mit Liebe

ich hatte den perfekten Vormittag: durfte aussschlafen bzw. wieder weiterschlafen und bekam ein köstliches Frühstück zubereitet! Jetzt fühle ich mich frisch und ausgeruht - das Wetter ist wunderbar- das Leben ist schön!
Unsere gesamte 'Sommerplanung' gerät durcheinander, da wir zu der Hochzeit meiner 'geistigen Lehrerin' eingeladen sind und jetzt hinten und vorne nichts mehr passt und wir buchstäblich um-denken müssen.

Was für ein schöner Anlass! Denn- ohne die Liebe wird das Menschen-sein öde und leer. Lest selbst:

EHRE                             ohne Liebe  macht HOCHMÜTIG
MACHT                         ohne Liebe  macht GRAUSAM
PFLICHT                       ohne Liebe  macht VERDRIESSLICH
BESITZ                          ohne Liebe  macht GEIZIG
GLAUBE                       ohne Liebe  macht FANATISCH
KLUGHEIT                   ohne Liebe  macht BETRÜGERISCH
WAHRHEIT                  ohne Liebe  macht KRITIKSÜCHTIG
ORDNUNG                   ohne Liebe  macht KLEINLICH
GERECHTIGKEIT        ohne Liebe  macht HART
SACHKENNTNIS        ohne Liebe macht RECHTHABERISCH
FREUNDLICHKEIT     ohne Liebe macht HEUCHLERISCH
VERANTWORTUNG   ohne Liebe  macht RÜCKSICHTSLOS
                                       nach LAO TSE

licht und liebe sendet euch *johanna*

Samstag, 7. Juli 2012

hello again...

Hallo alle 'Zamma! Gestern -spät- bin ich aus München heimgekehrt.

Um meine Vielfalt an Eindrücken etwas besser fokussieren zu können, werd ich mich in meiner Erzählung an den chronologischen Ereignissen orientieren!
Dienstagmorgen: Mitfahrgelegenheit in einem weißen Transporter. A-typischer, italienischer Fahrer: schüchtern und schweigsam. Mitfahrer: merkwürdiger Bundeswehrsoldat auf Urlaub.Auch schweigsam.
Wir werden "irgendwo an der U-3" in München 'rausgeschmissen.
Pipi-technisch halte ich es dort nicht lang genug aus, um mich um eine Wochenkarte zu kümmern und möchte schneeeellll zum Hauptbahnhof. Dort nutze ich erstmals in meinem Leben ein Schließfach der DB um nicht den ganzen Tag meinen Trolly rumrollern zu müssen und suche die Toilette einer Fastfoodkette auf. sichtlich erleichtert führen mich meine nächsten Wege zur Touristinformation und dann- mit mini-Stadtplan gepimpt, als handfeste Touristin über'n Stachus zum Marienplatz.
Auf dem Weg: Dirndl-Anprobe im Trachten-Discounter und arabische Hinweisschilder im (Nobel)Kaufhaus Oberpollinger(?) bestaunen. Ja, sie sind wirklich allgegenwärtig, die schwarzgekleideten Damen mit selbstbewusstem Gang, die Großfamilien und Mädchengruppen, welche die Münchner Innenstadt leer shoppen.Werden die Tüten zu zahlreich, ruft man das diensteifrig hechelnde Shuttletaxi des monatelang exklusiv ausgebuchten Hotels.
Am Marienplatz beginnt es zu regnen und ich flüchte in die B-Ebene. Gute Gelegenheit, mich um meine Wochenkarte zu kümmern. Dann fahre ich zur Mailingerstraße, um mir das Viertel um die Nymphenburgerstraße anzuschauen. Kleine Läden, nette, originelle Restaurants, schöne Fassaden und Guerilla-gardening auf den Grünstreifchen zwischen Straße und Bürgersteig lassen mich über längere Zeit dort verweilen. Im Secondhandshop "Kleidsam" finde ich einige originelle Kleider, vorallem ein Aubergine- ros´e gepunktetes Kleid ist soooo süß! Leider spannt es über der Brust, leiderleiderleiderleider...
Ich beschließe, wieder in Richtung Innenstadt zu laufen und bin schon ewig unterwegs, als ich merke, dass ich bei meinen Nebenstraßenerkundungen doch ganz schön nach Westen abgedriftet war. Trotz langsam schmerzender Füße lässt meine gute Laune nicht nach! Was hilft: ich widme meinen Füßen ein kleines Dankgebet für ihre geduldige Arbeit und sie reagieren prompt!
Wieder am Hauptbahnhof hole ich meinen Trolley und fahre zu meiner Gastgeberin L., die hinter Haidhausen wohnt. Die Tram dorthin könnte ich auch erst ab Ostbahnhof nehmen, aber ich genieße die Fahrt an der Maximiliansstraße entlang, über die Isar und durch die Wohnviertel. Der Weg ist übrigens so schön, dass ich auch in den folgenden Tagen immer die Tram nehme,anstatt unter Tage ein paar Minuten zu sparen.
Die Schlafgelegenheit bei L. habe ich über Couchsurfing gefunden. Die Begrüßung ist herzlich und wir kommen gleich ins quatschen. Sie kocht uns ein tolles Nudelgericht mit viel Gemüse und einem herrlichen Salat, dazu gibt es ein Glas wirklich leckeren Rotweines. Den Abend verbringen wir mit einem ausgedehnten Spaziergang durch das nahe Haidhausen, ein wirklich schönes, gewachsenes Viertel mit netten Läden (die leider alle schon zu haben. Nehme mir vor, zur Ladenzeit wieder zu kommen, was sich aber leider nicht realisieren ließ!) Als ich endlich auf dem Ausziehsofa liege, schlafe ich blitzschnell ein.
Mittwochmorgen:
Heute beginnt mein Workshop bei der IHK. Eigentlich sollte er beim Ostbahnhof stattfinden, aber nun ist der Tagungsort das Kolpinghaus am Stachus. L- kocht uns eine art Porridge aus Dinkelflocken, die ihre Dröghéit durch etwas Rosinen, Bananenscheiben und Aprikosenstücke verlieren. Ich bin aufgeregt, weil ich nicht weiß, was mich erwartet. Der Workshop soll Wege aufzeigen, wie man seine Talente erfolgreich in die Selbständigkeit trägt, ohne dabei auszubrennen oder sich zu verbiegen. Ich hoffe, dass ich nicht die einzig Unbedarfte bin. Zu meinem Liebelingskleid habe ich einen Blazer angezogen.
L. fährt bis zum Ostbahnhof in der Tram mit. Sie arbeitet außerhalb, als Graphikerin in einem Verlag.Ich genieße das wunderbare Wetter und den 'umgekehrten' Blick, in die Innenstadt kommend.
Das Kolpinghaus finde ich schnell- ein paar Teilnehmer sind schon da. Belegte Brötchen, Kaffee und Wasser stehen auch schon bereit, aber L.'s Porridge hat mich gut genährt.Auch im Folgenden werden wir während des ganzen Workshops wirklich gut mit Material und Snacks/Getränken versorgt.
Zehn Teilnehmer sind wir dann (die maximale Anzahl war auf 12 beschränkt), ein Teilnehmer ist 29, dann komme ich mit 30, danach geht es ab Mitte 40 hoch bis 68!!! Drei Männer, Sieben Frauen. Vier Teilnehmer mit Burnout und/oder Mobbinghintergrund, manche gut beruflich entabliert, aber alle in der Orientierungsphase:
WAS WILL ICH? WIE KANN ICH DAMIT BERUFLICH ERFOLGREICH SEIN?
Dichte Arbeitsatmosphäre. Die Kursleiterin schlägt vor, die Mittagspause gemeinsam im hauseigenen Restaurant zu verbringen- etwa die Hälfte geht mit. Mich zieht es- wie schon am Tag zuvor- in den nahen Alten Botanischen Garten. Den Kopf freipusten unter dem Sauerstoff produzierenden Grün.
Der Nachmittag ist ähnlich dicht- als um 17:15h Schluss ist, wäre mir der Sinn eigentlich nach absoluter Ruhe. Doch für den nächsten Tag sind Schauer angesagt und L. möchte mit mir zum Tollwood Festival im Olympiapark. Wir treffen uns auf dem Weg dorthin und quetschen uns in einen Sardinen-Bus mit gefühlten anderen 1000 Leuten. Der Busfahrer ist die Ruhe selbst!Ich ziehe innerlich den Hut vor ihm, während ich froh bin, ein Stück Haltestange zu erwischen. Am Tollwood-Gelände angekommen, drängen wir uns an Ständen mit Essen und Kunsthandwerk vorbei.Ich verliebe mich in ein wunderbares Wind-Klangspiel, aber es ist leider auch schweineteuer.
Wir suchen die "Speisekammer"- eine Pavillion, der über nachhaltige Ernährung/Konsum und Permakultur aufklärt. Im Marakeschzelt essen wir Kichererbsen mit Brot und Linsen. ALLLE!!!!Speisen auf dem Tollwood-Festival sind mit dem Bio-Siegel zertifiziert!!!!! Das Publikum ist gemischter, als ich annahm. Ich erstehe Kühlschrank-Magneten in Form von 'halben' Schneegestöberkugeln mit netten Bildchen drin für meine Kinder, da ich die bestellte 'Prinzessinenkarte' für meine kleine Diva weder in der Innenstadt noch hier auftreiben konnte.
Wir hören Billy Idol über das Gelände schmettern, die Konzertbesucher haben es sich einiges kosten lassen, auf der anderen Seite des Zaunes zu stehen.
Wir machen uns nicht all zu spät auf den Heimweg. Erschlagen sinke ich auf die Ausziehcouch.
Donnerstagmorgen
Das Wetter ist bombig! In der Nacht hat es wohl geregnet: die Luft ist klar, aber nicht schwül wie angekündigt. Den Vormittag verbringen wir mit sehr intensiver Gruppenarbeit. Enthusiastisch wollen alle auch die Mittagspause miteinander verbringen. In meinem -extra nachgefragten- vegetarischen gemischten Salat findet sich in einem Häufchen Krautsalat jede Menge Speck...
Der Nachmittag verläuft ähnlich dicht, als Schluss ist, brummt mir der Schädel. Mit L. habe ich nichts ausgemacht- ich rufe sie an uns sage, dass ich in den Englischen Garten gehe. Ein schöner Baum spendet mir Schatten, es ist knallheiß. Ich telefoniere ein bisschen mit einer Freundin und der Familie und dann döse ich vor mich hin. Danach setze ich mich in den Hofgarten, wo m Diana-Tempelchen klassische Musik gespielt wird.
Die plötzliche Lust auf Eis lässt mich ein italienisches (Nobel)Cafe an der Außenseite aufsuchen, mit Blick auf die Theatinerkirche. Auch hier Livemusik: Jazz. Plötzlich ist der Himmel dunkel und die eilig herbeispringenden Kellner können gerade noch die Schirme aufspannen, bevor ein Wolkenbruch sondergleichen heruntergeht. Mein Sitzplatz ist ideal- alle um mich herum weichen langsam, aber stetig den sich ausbreitenden Wassermassen, aber ich bleibe trocken. Mein Optimismus, dass ich 'die Sache aussitzen' könnte, schwindet nach 2 Stunden allmählich. Die Straße gleicht einem Fluß und der Regen wird und wird nicht weniger. Irgendwann sehe ich, dass es bereits gegen 21h ist und eile zur U-Bahn-Station. L., die einen Ausflug an die Isar gemaht hatte, erreiche ich nicht und fahre erstmal zum Hbf, um 'meine' Toilette aufzusuchen. L. erreiche ich erst eine 3/4 Stunde später und sie sagt mir, dass die Tramleitung hinter Haidhausen beschädigt ist. Ich fahre also erst Tram und dann Taxi (Schienenersatzverkehr!)und bin gegen 22h bei L. Bei Knabbereien und Oliven lassen wir den Tag Revue passieren.
Freitagmorgen.
Wirklich schon Freitag? Nach dem üblichen Morgenporridge heißt es Abschied nehmen von L.
Heute ist das Motto, alles noch mal aufzugreifen und ein Resümee zu ziehen. Der Vormittag langweilt mich eher, ich bin mit meinen Aufgaben stets bei den Ersten, die fertig sind und wenn dann doch mal alle versammelt sind, wird Pause gemacht. Die Mittagspause möchte ich allein verbringen und suche noch ein 'Prinzessinnenhandtuch' für die Kleine, Bastelzeug für den Großen und noch ein Mitbringsel für meinen Mann.
Der Nachmittag: Präsentation in der großen Runde mit Feedback von allen, inklusive Kursleiterin, ist sehr emotional. Nur ein Teilnehmer verabschiedet sich, bevor die Reihe an ihm ist.
Alle haben grandiose Veränderungen durchgemacht, viel Ballast abgeworfen, Ziele neu definiert. Teilweise spiegelt sich das bis in die Körperhaltung, bei allen jedoch in der Mimik. Was mich besonders freut: die Kursleiterin lädt mich zur Teilnahme an einem neuen Forum ein, das sie gegründet hat, zum "Unternehmerinnen-Salon", der sich einmal monatlich in München trifft. Mal sehen, ob es sich mal einrichten lässt. Der Zuspruch ihrerseit und von den anderen Teilnehmern zu meinen Plänen hat mich sehr bewegt.
Um 17h müssen leider einige gehen, etwas später noch mehr- am Schluss- nämlich um18:40h, haben wir deutlich überzogen und sind immerhin noch zu 6. Jetzt habe ich es auch eilig- muss ich doch bis 19h beim Treffpunkt für meine Mitfahrgelegenheit nach Hause sein. Einglück bringt mich jemand aus dem Workshop dorthin- der kurze Fußmarsch tut gut und mt den 'Öffentlichen' hätte ich auch nicht viel Zeit gespart.
Eigentlich wollte ich noch mal in den Englischen Garten, aber der späte Schluss des Workshops führt zu einer beinah nahtlosen Weiterfahrt gen Heimat. Diesmal: Fahrerin plus zwei weitere junge, hippe Frauen! Bei Klatsch und Tratsch kommt fasst so etwas wie ein Sex-in-the -city-feeling auf. Die Fahrt ist kurzweilig und einglück staufrei.
Der Sonnenuntergang ist so kitschig-schön und mit teilweise dramatischen Wolken umlagert, wie ich ihn wirklich selten gesehen habe. Zwischen andächtigem Staunen plappern vier junge Frauen fassungslos über die Schönheit der Schöpfung.

Um 22:30h zuhause.Heute: glücklich aber völlig platt. Und: voller Kraft, Visionen, Tatendrang.
Namaste! *johanna*